Alice Schwarzer ist derzeit auf Lesetour mit ihrem neuen Buch «99 Worte». (Bild: Bettina Flitner)

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99 Worte: Feminismus für Eilige

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In ihrem neuen Buch sinniert Alice Schwarzer über 99 Begriffe, die für ihr Verständnis von Feminismus zentral sind. Die kurzen, leicht verdaulichen Texte sollen besonders die Generation Z ansprechen. Zu inspirieren vermag das Buch aber auch andere.

Ob man sie bewundert oder hasst: Alice Schwarzer, 83 Jahre alt, ist unangefochten die bekannteste und prägendste Figur des deutschsprachigen Feminismus. Kürzlich stellte Deutschlands «Alpha-Feministin» in Zürich ihr jüngstes Buch vor: «99 Worte. Feminismus pur». Darin schreibt sie über alte und neue Themen, die ihr Verständnis von Feminismus geprägt haben, von A wie Abtreibung bis Z wie Zweifel. Auch Personen kommen vor, etwa ihr Ex-Lebensgefährte Bruno, Olympe de Gouges, Simone de Beauvoir und die von Schwarzer bewunderte iranische Widerstandskämpferin Nasrin Sotoudeh. Insgesamt ein vielseitiger, unterhaltsamer Mix.

Ohne Fundamente kein Feminismus

Jedes Stichwort hat genau eine Buchseite. Dass bei dieser Knappheit Wesentliches hintenüberkippt, ist der Autorin bewusst. Aber sie will vor allem die Jungen erreichen, und die lesen offenbar kaum noch ganze Bücher. Darum lieber Instant-Feminismus als gar nichts zum Thema. Denn Schwarzer hat eine Mission: Sie will verhindern, dass die historischen Fundamente des Feminismus als «rückständig» verächtlich gemacht und vergessen werden. «Die heute jungen Frauen (und Männer) wissen kaum noch etwas von dem einst Gewesenen bzw. bereits Erreichten und fangen immer wieder bei null an – statt endlich weiterzudenken.»

Ob das gelingt und ob nicht auch die Alten weiterdenken müssten, sei dahingestellt. Berechtigt ist die Sorge über die grassierende Geschichtsvergessenheit allemal. Denn «Feminismus» steht heute auch für Anschauungen und Verhaltensweisen, die Frauen  schaden. Vertreterinnen von einem Dutzend Haupt- und nochmals so vielen Nebenströmungen kämpfen um Aufmerksamkeit, Definitionsmacht und vehement auch gegeneinander.

Proteste in Hamburg, friedliche Lesung in Zürich

Dem «Patriarchat» und allen, die sich darin (unabhängig vom Geschlecht) ein angenehmes Leben eingerichtet haben, kann’s recht sein. Auch die Medien sind glücklich, wenn aufgebrachte Aktivistinnen lautstark ein Auftrittsverbot für Schwarzer fordern («Halt die Schnauze Alice!»), wie es etwa in Hamburg geschehen ist. In Zürich gab’s im Vorfeld nur Interviews (siehe unten) und einen Brief an die Veranstalter, in dem Transgruppierungen die Einladung kritisierten. Die Lesung verlief friedlich.

Unterhaltsame Orientierungshilfe

«99 Worte» ist eine weitgehend sachliche, unterhaltsame Einstiegs- und Orientierungshilfe im Wirrwarr der zahlreichen Feminismen. Der Fokus liegt dabei auf dem sogenannten Gleichheitsfeminismus, der für uneingeschränkte Gleichberechtigung steht und den  Schwarzer vertritt. Die Lektüre löst auch Fragen aus: Welche Themen hat sie weggelassen, warum? Wo hat sie sich geirrt? («Da fällt mir nichts ein», sagt sie in einem Interview.) Vor allem aber: Welche Begriffe würden  heutige junge Frauen wählen, wenn sie ihr Leben als Frau auf diese Weise beschreiben müssten? Und welche Schnittmenge käme dabei heraus? Die Klagen über den Backlash sind ja hoffentlich nicht das einzige, was sie die verschiedenen Gruppen noch verbindet.

 

Alice Schwarzer: 99 Worte. Feminismus pur. 215 Seiten, Heyne Verlag, München 2026

Über Alice Schwarzer
Wikipedia-Eintrag
emma.de

Interviews in Schweizer Medien
«Wir versinken im ideologischen Quark» (NZZ 17.05.2026)
Mit 83 noch immer streitbar (Tagblatt Zürich vom 24.06.2026)
«Ich will nicht arrogant sein» (Tages-Anzeiger, 9.02.2026)

Gegen das Vergessen
Verstörende Einblicke in das einst Gewesene und wie unglaublich schwierig es für Frauen war, da herauszukommen, gibt zum Beispiel das Werk von Marlen Haushofer. Frau Frogg hat eben «Die Mansarde» wieder gelesen. Hier ihre Eindrücke:
«Das Drama der begabten Hausfrau»

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