Eine Frau ist ein erwachsener weiblicher Mensch, sagen die Frauen der Organisation Sex Matters. (Bild: sexmatters.org)

Das biologische Geschlecht zählt wieder

Jahrelang ging der Trend hin zur Aussage «Trans-Frauen sind Frauen». Das höchste Gericht Grossbritanniens hat am 16. April eine Wende eingeleitet.

Die Proteste liessen nicht lange auf sich warten. Am Karsamstag demonstrierten in London einige tausend Menschen aus der queeren Community gegen das Urteil des Londoner Supreme Courts. Mehrere sagten in Interviews, sie fühlten sich vom Gesetz nicht mehr geschützt. Obwohl das Urteil trans Personen keineswegs das Existenzrecht abspricht. Der Gerichtsvorsitzende, Lord Hodge, betonte, trans Personen seien durch das Gleichstellungsgesetz weiterhin vor Diskriminierung und Belästigung geschützt. Sein Appell an die Parteien, das Urteil nicht für politische Zwecke zu nutzen, blieb ungehört.

Strenge Frauenquote
Es begann alles in Schottland. Dort ist die Frauenquote in öffentlichen Verwaltungsräten besonders streng:  Seit 2019 muss die Hälfte der Mitglieder weiblichen Geschlechts sein. Mit «Frauen» waren bislang auch trans Frauen gemeint, also als Männer geborene Personen, die mittels einer Geschlechtsangleichungsurkunde amtlich zur Frau geworden sind. Über die Frage, ob trans Frauen tatsächlich Frauen sind, wird in Grossbritannien seit einigen Jahren mit Gift und Galle debattiert. Die schottische Regelung stiess vielen so genannt genderkritischen Feministinnen sauer auf. Die Organisation For Women Scotland zog eine Klage dagegen bis an den Supreme Court in London. Dieses hat nun einstimmig entschieden: Mit «Frauen» sind im Sinne des Gleichstellungsgesetzes biologische Frauen gemeint. Das Urteil wird weitreichende Folgen im ganzen Land haben. Es beantwortet die Frage, ob Trans-Frauen vom besonderen Schutz und der besondere Gleichstellungsförderung profitieren sollen, die Frauen zuteil wird. Und zwar mit einem deutlichen Nein. Dies stellt in den Augen der Justiz den Bezug zu dem wieder her, was die grosse Mehrheit der Menschen als Wirklichkeit erlebt. Und es verhindert, dass schwangere Trans-Männer ihren Mutterschutz verlieren.

Folgen für Kliniken, Gefängnisse und die Polizei
Der richterliche Entscheid  hat aber auch praktische institutionelle Folgen, die Trans-Frauen durchaus schmerzen dürften. Die Frauen von sex-matters.org hat bereits einen Katalog von Massnahmen aufgestellt, die nun nötig werden. Sie sind Ausdruck berechtigter Ängste vieler Frauen vor sexuellen Übergriffen in Frauenräumen durch einzelne Trans-Frauen und Männer, die sich als solche ausgeben. So fordert sex-matters.org eine Überarbeitung der Spitalreglemente in Grossbritannien. Es soll wieder sichergestellt werden, dass auf Frauen-Abteilungen nur Personen mit zwei X-Chromosomen liegen. Die Polizei müsse in ihren Unterlagen über sexuelle Gewalt wieder das biologische Geschlecht der Täterin oder des Täters festhalten (einige Corps in Grossbritannien waren dazu übergegangen, in ihren Akten die Wunsch-Pronomen von Straftätern zu registrieren). Es soll ferner verhindert werden, dass Trans-Frauen weiter in Frauengefängnissen untergebracht werden und bei sportlichen Wettkämpfen gegen Frauen antreten. In vielen Online-Diskussionen flammt zudem der Streit um Trans-Frauen in öffentlichen Toiletten wieder auf.

Trans Aktivistinnen und -Aktivisten an der Kundgebung in Westminster.
(Bild: Screenshot ABC, 19.4.2025)

Überhaupt: Wer die Diskussionen über das Urteil auf X verfolgte, war entsetzt über die Häme einiger Feministinnen und die unschwer als Drohungen zu erkennenden Statements einiger militanter Trans-Frauen. Bei allem momentanen Getöse darf aber nicht vergessen gehen: Trans-Personen sind häufig Opfer von Diskriminierung und Gewalt. Daher ist den Britinnen und Briten nun vor allem Pragmatismus und gegenseitige Toleranz zu wünschen – und, wo immer möglich, ein für alle offenes, drittes WC.

  • Zur Kundgebungen vom Karsamstag gibt’s hier mehr.
  • Die Liste der Forderungen von Sex Matters siehe hier.
  • Das Urteil schafft auch einige Unklarheiten, siehe hier.

 

 

 

 

Eine Antwort zu «Das biologische Geschlecht zählt wieder»

  1. Avatar von rabi
    rabi

    Aha, nun also auch in der Schweiz eine Gift- und Galle-Debatten über das biologische Geschlecht. Und die Quizfrage, was Männer tun müssen, um schwanger zu werden (= als Erstes wird transgegendert oder muss es getransgendert heißen?).
    Bereits vor sieben Jahren gab es zum dritten WC folgenden Karnevals-Beitrag, der in Deutschland eine Gift-und Galle-Debatte auslöste «Wer war denn von Euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette.“ Trotz Karneval fand die Opposition das nicht lustig.

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