Donald Trump bedient die Transphobie seiner Klientel – und er ist ein Frauenfeind (Quelle: dpa)

Können wir uns genderkritischen Feminismus noch erlauben?

Donald Trump macht mit der Genderfrage Wahlkampf. Wahrscheinlich will er damit auch genderkritische Frauen ködern. Hoffentlich beissen sie nicht an. Denn Trump ist kein Frauenfreund.

In einem Werbefilm für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump sagt der Sprecher: «Kamala’s for they/them. President Trump is for you.» «They/them», das sind die Pronomen von Menschen, die sich nicht ins «binäre Gender-Schema» einordnen wollen – «they/them», das ist das englischsprachige Analog zum Sternchensalat im Deutschen. «They/them»-Menschen sind in konservativeren Gegenden oft besonders unbeliebt. Auch, weil sie meist zur urbanen, intellektuellen Oberschicht gehören. Ihr Pronomen-Herumgeeiere macht sie noch abgehobener für jene, die sich von dieser Elite ausgeschlossen fühlen.

Die Bilder im Clip zeigen dann aber nicht solch wolkige Non-Binäre, sondern theatral aufgemachte Transfrauen neben Vizepräsidentin Kamala Harris – sie bedienen zusätzlich die Transphobie von Trumps Publikum.

Trumps Kampagnenmacher wollen damit auch eine genderkritische Wählerschaft erreichen. Die Botschaft: «Trump ist für Dich da. Wenn er Präsident ist, wirst Du wieder sagen dürfen, was Sache ist: dass eine Frau eine Frau ist, verdammtnochmal!»

Was ein «Star» mit Frauen machen darf
Wir können nur hoffen, dass genderkritische Frauen nicht so naiv sind, auf diese Botschaft hereinzufallen. Denn Trump ist definitiv kein Präsident für Frauen. Für alle, die noch zu jung sind, sich daran zu erinnern: Im Oktober 2016 kam eine Tonaufnahme an die Öffentlichkeit, in der Trump in informellem Rahmen sagte: «Ich fühle mich automatisch von schönen Frauen angezogen – ich fange einfach an, sie zu küssen. … Wenn Du ein Star bist, dann lassen sie das zu. Dann kannst Du alles machen. Ihnen zwischen die Beine greifen, irgendwas.» Widerlich. Damals waren die Massen noch schockiert über solche Aussagen. In den USA und Europa gingen Hunderttausende auf die Strasse.

Seine Übergriffe waren aber auch bei den Betroffenen oft nicht so willkommen, wie er hier glauben machen will. Mindestens 25 Frauen haben ihn öffentlich bezichtigt, sie vergewaltigt oder sonstwie sexuell missbraucht zu haben. Einer von ihnen, Elizabeth Jane Carroll musste er 4 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen. 2016 verklagte ihn eine Frau, die vor Gericht Katie Johnson genannt wurde – er habe sie vergewaltigt, als sie 13 war. Trump ist mittlerweile gebrechlich, seine Libido dürfte nachgelassen haben. Aber er hat eine frauenverachtende Entourage – sein Vizepräsident J. D. Vance etwa hat kinderlose Frauen «Katzendamen» genannt. Und er hat auch schon gesagt, der einzige Lebenszweck von Frauen nach der Menopause sei es, ihre Enkel grosszuziehen.

Das Recht auf Abtreibung
Und dann ist da die Sache mit dem Recht auf Abtreibung: Seit 2022 ist es in den USA nicht mehr bundesweit garantiert. Der Supreme Court kippte das entsprechende, 50 Jahre altes Gesetz – zum Horror des amtierenden Präsidenten Joe Biden. Das war nur möglich, weil Donald Trump während seiner Amtszeit 2016 bis 2020 den Supreme Court mit drei höchst konservativen Richtern besetzt hatte. In 24 US-Bundesstaaten sind auf Abtreibungen seither stark eingeschränkt oder ganz verboten – zum Beispiel in Texas. Dort stieg die Sterblichkeit von Frauen bei der Geburt um 56 Prozent.

Das Schlimmste aber, und zwar für jede und jeden auf dem gesamten Genderspektrum: Donald Trump ist eine Gefahr für die Demokratie. Er hat seine Wahlniederlage 2020 nie anerkannt und versucht, die Glaubwürdigkeit des US-Wahlsystems massiv zu schädigen. Mehr noch: Er hetzte am 6. Januar 2021 einen wütenden Mob auf das Capitol, um die Amtsbestätigung des rechtmässig gewählten Präsidenten Joe Biden zu verhindern. Bei den damaligen Unruhen starben sechs Menschen, 174 Polizisten wurden verletzt. Dass Trump überhaupt wieder Präsidentschaftskandidat werden kann, ist eines demokratischen Staates unwürdig.

Fragen, die wir nach den Wahlen stellen sollten
Wir können nur hoffen, dass auch genderkritische Wählerinnen und Wähler in den USA die Prioritäten richtig setzen und Kamala Harris wählen. Wenn sie gewonnen hat, ist der Weg frei, wieder über den Pronomen- und Sternchensalat zu diskutieren. Vielleicht müssen wir uns dann auch die Frage stellen, wie weit der Kampf für die Unsichtbarmachung des biologischen Geschlechts gehen sollte.

Hier der Link zum Trump-Werbevideo.

Hier eine Liste der sexuellen Übergriffe von Donald Trump.

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