In Wien haben die Verkehrsbetriebe die Piktogramme für den Sitzplatz-Vortritt modernisiert. Die Figuren sind nun hindernisfrei gestaltet – und geschlechtsneutral. Auch die schwangere Person. Für Wirbel im Netz ist gesorgt.
Priority-Piktogramme zeigen an, wer Vortritt hat. Zum Beispiel bei den Sitzplätzen im ÖV. Normalerweise werden sie kaum beachtet. Dass es die Wiener Linien mit ihren modernisierten Piktogrammen kürzlich in die Schlagzeilen schafften, überrascht deshalb. Doch warum auch nicht? Die neuen Symbole sind gut gemacht – einheitlich, aufs Minimum reduziert und visuell auf die Erfordernisse von sehbehinderten Fahrgästen zugeschnitten. Eine sinnvolle Sache also, könnte man meinen.
Doch die abgebildeten Figuren sind nicht nur hindernisfrei gestaltet. Anders als die alte Version haben sie auch keine geschlechtsspezifischen Merkmale mehr. Das sorgt für massenhaft Klicks im Netz. Werden hier (schwangere) Frauen etwa mit geschlechtsneutralen Symbolen unsichtbar gemacht? Ist die schwangere Figur gar keine Frau, sondern ein Mann mit Bierbauch? Oder ein schwangerer Mann? Sind schwangere Männer für Verkehrsbetriebe etwa gar relevanter als schwangere Frauen?
Die Wiener Linien dementieren. Die geschlechtsneutrale Darstellung sei nicht bewusst gewählt worden, sie sei bloss ein Nebeneffekt der hindernisfreien Gestaltung. Diese folge den in Piktogrammen weltweit verwendeten Darstelllungen. Das stimmt. Wer sich in modernen Bahnhöfen und Flughäfen umschaut, sieht abgesehen von den WC-Piktos nur noch lauter Strichmännchen. Was jenen recht zu geben scheint, die die neuen Figuren nicht als geschlechtsneutral «lesen», sondern eben als: Strichmännchen.
In Fall von Sitzgelegenheiten könnte man die Genderkiste aber auch getrost zu lassen. Höfliche Menschen bieten ihren Sitz bei Bedarf nämlich sowieso jenen an, die ihn vielleicht eher brauchen. Und den andern ist auch mit geschlechtsneutralen Symbolen nicht zu helfen.


Schreiben Sie einen Kommentar