Kamala Harris wird von unerwarteter Seite angegriffen: In einem offenen Brief fordert Parteikollegin Kara Dansky von ihr den Tatbeweis, dass ihr die amerikanischen Frauen und Mädchen wirklich am Herzen liegen. Der Vorwurf: Harris würde die Rechte der Frauen auf dem Altar der Genderideologie opfern – und damit Donald Trump in die Hände spielen.
Es war vor allem die konservative US-Presse, die den offenen Brief der demokratischen Juristin und Frauenrechtlerin Kara Dansky veröffentlichte. Dass ist nicht erstaunlich, denn der Brief enthält happige Vorwürfe an die demokratische Präsidentschaftskandidatin. Diese setzt sich zwar vehement für die Stärkung der reproduktiven Rechte von Frauen und für LQBTIQ+-Rechte ein. Bei umstrittenen Themen, etwa dem Zugang in geschützte Frauenräume für Transfrauen, bleibt sie hingegen vage. Dies zum Ärger von radikalen Feministinnen wie Dansky.
Verkehrte Welt
Das Schreiben erschien kurz nach dem Parteitag der Demokraten Anfang August. In den hiesigen Medien blieb er bis vor kurzem unbeachtet. Nach der TV-Debatte publizierte die Zeitschrift Emma nun eine deutsche Übersetzung (siehe Link am Schluss des Artikels). Auszug: «Wie die grosse Mehrheit der Amerikaner wissen Sie, dass mit dem Wort Frauen erwachsene Menschen gemeint sind, die weiblich sind – und Sie wissen, dass der Unterschied zwischen Frauen und Männern wichtig ist. Warum überlassen Sie es den Republikanern, sich für Frauenrechte einzusetzen?», fragt Demsky und doppelt nach: «Warum lassen Sie es zu, dass Senator Ted Cruz die Stimme der Vernunft ist, die einen Bundesrichter kritisiert, der einen verurteilten Vergewaltiger in ein Frauengefängnis schickt? Warum lässt man zu, dass der ehemalige Präsident Donald Trump auf dem Parteitag der Republikaner Beifall erntet, indem er das Ende von Männern im Frauensport garantiert?»
Chance für Trump
Demsky verlangt, dass Harris und mit ihr die Parteileitung der forcierten Identitätspolitik und «Transgender-Ideologie» abschwört. Der radikalfeministische Flügel der Frauenbewegung, dem Kara Demsky angehört, kritisiert diese Politik schon seit langem – bislang vergeblich.
In einer Mischung aus Anklage und Drohung warnt Demsky im Brief vor den Folgen: Wenn die Führung der Demokraten ihren Kurs nicht ändere, befürchte sie, dass dies den Republikanern eine grosse Chance bietet, die Unterstützung weiblicher Wähler, von Eltern, Homosexuellen und anderen abzugreifen. «Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie viele Menschen mir gesagt haben, dass sie vorhaben, wegen dieses Themas diesmal Donald Trump zu wählen.» Antwort: Bisher keine.


Schreiben Sie einen Kommentar