Warum wir schreiben

Wir sind Frauen, die über gewisse Entwicklungen im Feminismus besorgt sind. Zum Beispiel: Frauen mit Behinderung oder ältere Frauen werden in den aktuellen feministischen Debatten meist höchstens en passant erwähnt. Wir finden: Auch die Erfahrungen und Meinungen solcher Frauen müssen zur Sprache kommen. Mit journal-f möchten wir dies in einem sachlichen Rahmen ermöglichen.

Entgegen trendigen Vorstellungen finden wir: Menschen haben ihr Geschlecht zwischen den Beinen, nicht zwischen den Ohren. Das heisst: Das biologische Geschlecht ist relevant, wenn es um Sexualität, um Schwangerschaft und um gewisse medizinische Gegebenheiten geht oder um Fairness im Leistungssport. Auch gibt es Lebensbereiche, in denen Frauen gegenüber Männern nach wie vor benachteiligt sind: zum Beispiel bei der Aufteilung der Care-Arbeit; bei den Löhnen und Renten und in der Sex-Arbeit. Die Abschaffung des Geschlechter-Konzepts wird daran wenig ändern, im Gegenteil: Sie macht genuine Frauen-Anliegen unsichtbar. Vor allem Anliegen von Frauen, die nicht im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. Damit sind wir nicht einverstanden. Spezifische Benachteiligungen müssen präzise benannt und vergleichend erforscht werden können. Das Geschlechter-Konzept, auf das unsere Gesetze ausgerichtet sind, ist deshalb bis auf weiteres unverzichtbar.

Was den persönlichen Lebensweg angeht, hat hingegen selbstverständlich das Vorrang, was wir zwischen den Ohren haben: Menschen sollen lernen und arbeiten, was sie interessiert. Sei es ein Flugzeug steuern oder einen Haushalt führen, Philosophie lehren, Möbel schreinern, eine Firma leiten oder kranke Menschen pflegen. Alle sollen sich stylen, wie es ihnen passt, sich dort zugehörig fühlen, wo sie sich aufgehoben fühlen und lieben, wen sie wollen.

Auf journal-f fragen wir nach: Wie leben Frauen heute? Wie geht es den Boomer-Frauen, die mit den Lebensentwürfen ihrer Zeit älter geworden sind? Können junge Frauen mit Behinderung und chronischen Krankheiten heute ihren Lebenszielen besser leichter entgegenarbeiten als früher? Gleich gut wie Männer? Wie steht es tatsächlich um ihre Rechte? Nützen die neueren Entwicklungen im Feminismus den Frauen aus den Randgruppen etwas – Stichwort Identitätstheorien? Lesen Sie mit, diskutieren Sie mit! Wir freuen uns auf anregende Begegnungen.

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